GREBENHAIN (eig). „Parlez-vous français?“ Die vom spanischen Disco-Duo „Baccara“ Anno 1978 in ihrem gleichnamigen Liedbeitrag für den „Eurovision Song Contest“ aufgestellte Frage nach der Kenntnis der französischen Sprache würden viele hierzulande auf Französisch (wenn sie es denn beherrschten) mit „Non“ beantworten. Das dürfte auch daran liegen, dass immer weniger Schülerinnen und Schüler Französisch als Fremdsprache wählen. Der Trend ist diesbezüglich seit Jahren kontinuierlich rückläufig. Im letzten Jahr lernte von fast neun Millionen Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen nur noch etwas mehr als eine Million Französisch. Zwar liegt es noch auf Platz Zwei der häufigsten Fremdsprachen, die in der Schule unterrichtet werden. Aber das ist kein Vergleich zum obligatorischen Englisch, das heutzutage schon in der Grundschule auf dem Lehrplan steht und nicht zuletzt in der Populärkultur omnipräsent ist. Zu kompliziert in der Aussprache und zum Erlernen, zu elitär, im Alltag nutzlos – nur einige hartnäckige Vorurteile über die Sprache unseres großen westlichen Nachbarlandes.
„Französisch ist eine der mitgesprochenen Sprachen in der Europäischen Union“, betonte hingegen Franziska Salem, Französisch-Lehrerin an der Oberwaldschule Grebenhain, anlässlich eines Projektvormittags, der Schülerinnen und Schülern der OWS auf ganz spielerische Weise die französische Sprache nahebringen sollte. Und zwar indem jemand zu ihnen kam, der Französisch nicht nur unterrichtet, sondern auch ganz normal im Alltag spricht.
Vom Französischen Institut in Mainz war Amina Maatoug im Rahmen des Programms „France Mobil“ zu Gast an der OWS. Die 24-jährige Lektorin kommt aus Grenoble am Fuß der französischen Alpen und hat algerische Wurzeln. Die deutsche Sprache beherrscht sie sehr gut, wie sich am Ende herausstellen sollte, wandte sich jedoch ganz bewusst nur auf Französisch an die Schülerinnen und Schüler der drei 7. Klassen der OWS, die nacheinander jeweils eine Schulstunde ganz spielerisch in die Welt des Französischen eintauchten.
Schulbücher und Hefte suchte man in dem Stuhlkreis vergebens, in dem sich etwas mehr als ein dutzend Schülerinnen und Schüler mitsamt Amina Maatoug zusammenfanden. Stattdessen hatte sie einen großen Schaumstoffwürfel mitgebracht, der im Kreis herumgereicht wurde. Amina Maatoug spielte dazu (natürlich) französische Musik auf ihrem Smartphone. Sobald die Musik stoppte, musste der- oder diejenige, wo sich der Würfel gerade befand, mit diesem würfeln. Die Zahl entschied dann darüber, welche Frage (selbstverständlich auch wieder auf Französisch gestellt) beantwortet werden musste. Die Jugendlichen mussten etwa bei einer Eins auf die Frage „Comment tu t'appelles“ ihren Namen sagen, bei einer Zwei auf die Frage „Tu as quel âge“ ihr Alter nennen, oder bei einer Drei auf die Frage „Tu habites où?“ erklären, wo sie wohnten.
Schnelle Reaktion war dann bei den „Chaises musicales“ gefragt. So heißt nämlich in Frankreich das Spiel, was man in Deutschland als „Reise nach Jerusalem“ kennt. Beim Spiel „Double“ mussten dann französische Begriffe richtig zugeordnet werden. Am Ende waren die Schülerinnen und Schüler, die erst seit ein paar Monaten Französischunterricht haben, wahrscheinlich selbst überrascht darüber, wie gut sie die Sprache schon beherrschen – und wenn es einmal doch etwas holprig wurde, halfen zur Not auch Hände und Gesten.
Zum Abschluss wollte dann Amina Maatoug von den Jugendlichen wissen, wer von ihnen denn selbst überhaupt schon einmal in Frankreich waren. Von den vierzehn Schülerinnen und Schülern bejahten fünf diese Frage. „Ich war 500 Meter über die Grenze hinweg in einem Outlet-Center“, meinte hier eine Schülerin. Umso mehr betonten Amina Maatoug und auch Lehrerin Franziska Salem, wie sich die Teilnahme an einem Schüleraustausch nach Frankreich lohnen kann. Denn eines war nach dieser ungewöhnlichen Schulstunde klar: So kompliziert ist Französisch gar nicht, und so unwichtig schon gar nicht. Mehr als 300 Millionen Menschen weltweit sprechen Französisch, mit steigender Tendenz. Als Geschäftssprache steht es weltweit auf Platz Drei, in 32 Staaten ist es Amts- und Verkehrssprache. Und französische Firmen zählen zu den Top Fünf der ausländischen Arbeitgeber in Deutschland. „Merci et au revoir“, so konnte es zum Abschied nur lauten.
Autor: Carsten Eigner